Trifidnebel (Messier 20)

Messier 20
Messier 20: Trifidnebel in Sagittarius; 10" Meade Schmidt-Newton, Canon EOS 20Da; 48 min, ISO 1600; Obwalden; © 2007 Eduard von Bergen
Messier 20
Messier 20: Trifidnebel M 20 mit Offenem Sternhaufen M 21; Takahashi TOA 150/1100 APO-Refraktor f/7.27, TOA-67 Fieldflattener; SBIG STL-11000M, -25 °C; Astro-Physics 1200GTO; 32 x 5 min Baader-RGB-Filter (1x1); Namibia, Tivoli Southern Sky Guest Farm, 1360 m ü. M.; © 28. 8. 2016 Manuel Jung

Geschichte

M 20 wurde vermutlich erstmals im Jahre 1747 von LeGentil während seiner Beobachtung von M 8 gesichtet und später 1764 von Charles Messier wiederentdeckt. Messier sah nur den Sternhaufen, denn das Lichtsammelvermögen seiner Teleskope war zu gering um den Nebel erkennen zu können. [4, 281]

Sir Wilhelm Herschel beobachtete den Haufen am 12. Juli 1784 und katalogisierte drei sehr große Nebel (V 10, V 11, V 12) und beschrieb sie mit: «Drei Nebel, schwach verbunden, bilden ein Dreieck. In der Mitte ist ein Doppelstern. Sehr schwach und von großer Ausdehnung.» [463] Am 26. Mai 1785 besuchte er den Nebel erneut und fügte mit IV 41 einen weiteren Eintrag hinzu: «Ein Doppelstern mit ausgedehnter Nebelbildung unterschiedlicher Intensität. Über dem Doppelstern befindet sich eine schwarze Öffnung, die dem Nebel im Orion in Miniaturform ähnelt.» [464]

Herschels Sohn John katalogisierte das Objekt als h 1991 (= h 3718, GC 4355) und vermerkte in seinem Slough-Katalog von 1833: «Sehr große, dreigeteilt (trifid), drei Nebel mit einer Leerstelle in der Mitte, in der zentral der Doppelstern SH 379 liegt, Nebel = 7' groß. Ein höchst bemerkenswertes Objekt.» [466]

Im Jahr 1919 veröffentlichte Edward Barnard seinen Katalog von 182 «dunklen Flecken am Himmel», die er auf fotografischen Platten des Lick-Observatoriums identifizierte. Er zeigte, dass diese Markierungen nicht einfach sternlose leere Räume sind, sondern von dunklen Nebeln verdeckt werden. Der südliche Teil des Trifidnebels ist als Nummer 85 aufgeführt. [239]

Physikalische Eigenschaften

Der Trifidnebel vereint die Charakteristika eines Emissionsnebels und die eines Reflexionsnebels. Angeregter Wasserstoff in der Zentralregion emittiert Photonen in der Balmer-Wellenlänge und leuchtet daher in einem pinkfarbenen Licht. Die äußere Region enthält viel Staub und reflektiert das Licht der heißen blauen Sterne und bildet den blauen Teil des Trifidnebels. Der helle Stern HD 164514 im Norden ist von einem ausgeprägten blauen Reflexionsnebel umgeben. Der Stern ist nicht heiß genug um das umliegende Gas zum Leuchten anzuregen und so wird alles Licht vom kalten Gas und Staub reflektiert oder gestreut.

Messier 8, 20, NGC 6559
Messier 8, 20, NGC 6559: Emissions- und Reflexionsnebel im Sternbild Sagittarius; Refraktor Takahashi FSQ-106ED f/5.0, SBIG STL-11000M, -20 °C, Astro-Physics 1200 GTO; 24 x 5 min Baader-RGB-Filter (1x1); Namibia, Tivoli Southern Sky Guest Farm; © 3. 6. 2011 Manuel Jung

Der hellste Bereich des Nebels misst etwa 20' x 15', doch schwächere Außenregionen lassen die Dimension des Nebels auf etwa 25' anwachsen. Das «Trifid-Muster» findet sich im südlichen hellen Teil des Nebels, wo die drei dunklen, etwa 45" breiten Staubbänder vom Zentrum nach außen führen und sich vom leuchtenden Hintergrund abheben. Die Masse des Nebels reicht aus, mehrere tausend Sonnen zu formen. Der Nebel wird von der starken Ultraviolettstrahlung heißer, junger Sterne zum Leuchten angeregt. Der mehrfache Zentralstern trägt die Bezeichnung HN 40 oder GC 24537 und sein Alter wird auf etwa 7 Mio. Jahre geschätzt. Hierbei handelt es sich um O7-Sterne mit einer berechneten absoluten Helligkeit von -5.2 mag. Mit dem 36-Zoll Refraktor vom Lick Observatorium fand S. W. Burnham gar sechs Sterne in diesem System, deren Helligkeiten, Abstände und Positionswinkel in folgender Tabelle wiedergegeben sind: [4]

Paar Magnitude Abstand Positionswinkel
A-B  7.0-10.6    5.4"        23°
A-C     - 8.8   10.6"       212°
A-F     -13.8   22.1"       106°
C-D  8.8-10.5    2.2"       282°
C-E     -12.4    6.2"       191°

Wie bei den meisten galaktischen Nebeln streuen sich die publizierten Distanzen in einem weiten Bereich. Es finden sich Werte von 2200 bis 7700 Lichtjahren. Die neusten Werte liegen etwa im Bereich von 5000 Lichtjahren, welches etwa mit der Distanz vom Lagunennebel korrespondiert. Die Entfernung von M 20 wird etwa 1500 Lichtjahre weiter als die von M 8 geschätzt. Die beiden Nebel sind möglicherweise einer gigantischen H-II Assoziation, wie es die Abbildung 3 vermuten lässt, doch diese Verbindung ist noch nicht bewiesen. Wie M 8 ist auch dieser Nebel eine Quelle starker Radio- und Infrarotsrahlung, was typisch für Sternentstehungs-Gebiete ist. [4]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
BezeichnungNGC 6514
TypEN+OCL
Rektaszension (J2000.0)18h 02m 42.0s
Deklination (J2000.0)-22° 58' 18"
Durchmesser20 × 20 arcmin
Fotografische (blaue) Helligkeit8.5 mag
Metrische Entfernung1.600 kpc
Dreyer Beschreibung!!! vB, vL, trifid, D * inv
Identifikation, AnmerkungenM 20, OCL 23, ESO 521-N*13, LBN 27, Trifid nebula

Auffindtipp für den Trifidnebel

Der Trifidnebel befindet sich im Sternbild Sagittarius, etwa 1.5° nordnordwestlich vom Lagunennebel. Verlängert man die Achse von φ Sagitarii zu λ Sagitarii und positioniert dort den äußeren Ring des Telrads, sollte der Trifidnebel bereits in einem Großfeldokular sichtbar sein. In den Monaten Juni bis August kann er am besten beobachtet werden. Etwa 0.7° in nordöstlicher Richtung befindet sich der kleine offene Sternhaufen M 21.

Auffindkarte Trifidnebel (Messier 20)
Trifidnebel (Messier 20) im Sternbild Sagittarius. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. Grenzgrößen: Sternbildkarte ~6.5 mag, DSS2-Ausschnitte ~20 mag. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

762 mm Öffnung: Die dunklen Bänder der Dreiteilung des Trifidnebels zeigen sich sehr schön. Zwei nahestehende etwas hellere Sterne ergeben die Augen einer Fledermaus zusammen mit dem umliegenden Nebel. Ohne Filter ist der Emissions- aber vor allem der Reflexionsteil deutlicher als mit OIII-Filter. Ebenfalls bleibt ohne Filter die Plastizität des Gesamtnebels besser erhalten. Mit OIII-Filter ist dafür die Dreiteilung im Emissionsteil strukturreicher. — 30" SlipStream-Dobson f/3.3, Hasliberg, 7. 8. 2015, Eduard von Bergen

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben

  • [4] «Burnham's Celestial Handbook: An Observer's Guide to the Universe Beyond the Solar System» by Robert Burnham; Dover Publications, Inc.; Voume I: ISBN 0-486-23567-X; Volume II: ISBN 0-486-23568-8; Volume III: ISBN 0-486-23673-0; archive.org/details/burnhams-celestial-handbook-3
  • [149] SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
  • [160] The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
  • [239] «On the dark markings of the sky, with a catalogue of 182 such objects» Barnard, E. E.; Astrophysical Journal, 49, 1-24 (1919); DOI:10.1086/142439; Bibcode:1919ApJ....49....1B
  • [277] «Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
  • [281] «Catalogue Nébuleuses et des Amas D'Étoiles» Observées à Paris, par M. Messier, à l'Observatoire de la Marine, hôtel de Clugni, rue des Mathurins. «Connoissance des temps ou connoissance des mouvements célestes, pour l'année bissextile 1784 » Page 227; gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6514280n/f235 (2021-02-21)
  • [463] «Catalogue of one thousand new nebulae and clusters of stars» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1786; DOI:10.1098/rstl.1786.0027
  • [464] «Catalogue of a second thousand of new nebulae and clusters of stars; with a few introductory remarks on the construction of the heavens» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1789; DOI:10.1098/rstl.1789.0021
  • [466] «Observations of nebulæ and clusters of stars, made at Slough, with a twenty-feet reflector, between the years 1825 and 1833» John Frederick William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1833, Pages: 359-505; DOI:10.1098/rstl.1833.0021