NGC 1555, Hinds variabler Nebel

Objektbeschreibung

NGC 1555
NGC 1555: Hinds variabler Nebel in Taurus; 500 mm Cassegrain 5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 70+25+25+25 min LRGB; Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Der dänisch/britische Astronom John Louis Emil Dreyer schrieb in seinem 1888 erschienenen «New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» folgende Notiz zu NGC 1554 (GC 5539) und NGC 1555 (GC 839): «Der letztere ist der gut bekannte Nebel, gefunden von Hind am 11. Oktober 1852 (Astr. Nachr. 839), beobachtet von d'Arrest in Leipzig viermal von 1855-56 als ein ziemlich heller oder ziemlich schwacher Nebel, etwa eine [Bogen-]Minute im Durchmesser und von d'Arrest im Oktober 1861 als vermisst befunden. G. C. 5539 ist ein kleiner Nebel mit einem exzentrischem Kern mit einem Stern von 14 mag, welcher anfangs 1868 von Otto Struve gefunden und auch von d'Arrest gesichtet wurde (Astr. Nachr. 1689), welcher sich sicher war, dass zuvor kein Nebel an diesem Ort existierte (4' westlich von Hinds Nebel). Dieses Objekt muss also seitdem verschwunden sein, da ich 1877 an der Stelle mit Lord Rosses 6-Fuss Reflektor keinerlei Nebel erkennen konnte. Der Ort wurde die letzten Jahre auch von Tempel mit einem ähnlichen Ergebnis untersucht. (A. N. 2212). Der Ort für G. C. 839 ist das Ergebnis der vier Beobachtungen von d'Arrest in Leipzig.» [313]

NGC 1555 NOAA
NGC 1555: Aufnahme mit B/I/V Filtern mit dem Mayall 4-Meter Teleskop auf dem Kitt Peak. T. A. Rector/University of Alaska Anchorage, H. Schweiker/WIYN and NOIRLab/NSF/AURA [317]

In der 1895 erschienenen ersten Ausgabe des «Index Catalogue» steht eine Notiz zu NGC 1554, welche eigentlich zu NGC 1555 passt: «Hinds variabler Nebel, 2s westlich und 40" südlich des veränderlichen Sterns T Tauri. Barnard fand 1890 einen sehr schwachen Nebel auf Position 185°, 3/4' von T, welcher gut mit den Bobachtungen von Hind und d'Arrest übereinstimmt. Barnard und Burnham sahen auch T Tauri eingehüllt in einen sehr kleinen und konzentrierten Nebel (oft gesehen bei Tempel). Bigourdans Nr. 144 (*13 nebulös?) [...] war offenbar nicht am Lick Observatorium gesehen worden.» [314]

Die 1908 erschienene zweite Ausgabe des «Index Catalogue» enthält eine Notiz, welche zu beiden Nebeln passt: «NGC 1554-55: Hinds variabler Nebel. Barnard fand (mit dem 36 Zoll Refraktor) im Februar und März 1895, dass T Tauri nicht wie 1890 angegeben der Kern eines ziemlich hellen, kleinen Nebels war. Der Stern war perfekt stellar, aber eingehüllt in einen ziemlich schwaches, diffuses, nebelhaftes Leuchten. Struves Nebel wurde nicht gesichtet, allerdings war dort möglicherweise ein schwacher Dunst. [...] Im September 1895 wurde mit dem 36 Zoll [Refraktor] während drei Nächten keine Spur von Hinds Nebel gesichtet. [...] Keeler fand auf zwei Fotos vom Dezember 1899 drei sehr schwache, irreguläre Flecken, verbunden mit noch schwächerem Nebel südlich und südwestlich von T Tauri, aber entfernt vom Stern. Keine Spur von Struves Nebel. [...] Nicht sichtbar für Burnham um 1907.» [315]

Wie aus den Notizen im NGC und IC Katalog hervorgeht, wurden die beiden NGC-Nummern seit jeher miteinander und dem Stern T Tauri assoziiert. Es handelt sich hierbei unzweifelhaft um Variationen unterschiedlicher Beleuchtung der Staub und Gaswolken um den Stern T Tauri, welche durch Eigenbewegung dichter Staubwolken unterschiedliche Schatten auf den dahinter liegenden Nebel werfen. Daher der Name «Hinds Variabler Nebel» für NGC 1555. Da Struves beobachteter Nebel (NGC 1554) seither nicht mehr gesichtet wurde, erhielt dieser den Beinamen «Struves verlorener Nebel» (Struve's Lost Nebula). Der gesamte Nebel ist auch im zweiten Sharpless-Katalog unter der Nummer Sh2-238 aufgeführt.

Gemäss Messung der Gaia-Raumsonde von 2018 befindet sich der Stern T Tauri in einer Entfernung von 144.321 Parsec (rund 470 Lichtjahre). Wie man in Abb. 1 und Abb. 2 gut erkennen kann, ist nur ein kleiner Teil des gesamten Nebels vom Stern T Tauri erleuchtet. Der grösste Teil ist dunkel. Der Stern T Tauri gilt als Prototyp einer ganzen Klasse von sehr jungen Sternen (T Tauri Sterne), welche sich erst kürzlich aus ihrem Kokon von Gas und Staub befreit haben. [145, 317]

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» J. L. E. Dreyer, Roger W. Sinnott [142]
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Dreyer Beschreibung
NGC 1554Nb04 21.8+19 32Tau!!! var, S, R, Nn = *13
NGC 1555Nb04 22.9+19 32Tau!!! vF, S, variable

Auffindkarte

Der Stern T Tauri mit dem Nebel NGC 1555 befindet sich im Sternbild Taurus (Stier) nördlich der Hyaden. Die beste Beobachtungszeit ist September bis Februar.

Karte NGC 1555
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Quellenangaben

142NGC 2000.0, The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters by J.L.E. Dreyer; edited by Roger W. Sinnott; Sky Publishing Corporation and Cambridge University Press (1988); cdsarc.unistra.fr/viz-bin/cat/VII/118 (2021-02-18)
145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
313«A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
314«Index Catalogue of Nebulæ found in the years 1888 to 1894, with Notes and Corrections to the New General Catalogue» Dreyer, J. L. E.; Memoirs of the Royal Astronomical Society, Vol. 51, p.185; 1895; Bibcode:1895MmRAS..51..185D
315«Second Index Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars; containing objects found in the years 1895 to 1907, with Notes and Corrections to the New General Catalogue and to the Index Catalogue for 1888–94» Dreyer, J. L. E. (1910); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 59: 105–198; Bibcode:1910MmRAS..59..105D
317T Tauri in NGC 1555; noirlab.edu/public/images/noao-ttau (2021-04-14)