Bärentatzen-Nebel (Sh 2-200)
Planetarischer Nebel Sh 2-200 (HDW 2)
Bei der Durchmusterung der Fotoplatten des «Palomar Observatory Sky Survey», die mit dem 48-Zoll-Schmidt-Teleskop aufgenommen worden waren, stieß der amerikanische Astronom Stewart Sharpless auf diesen lichtschwachen Nebel. Er klassifizierte ihn als H-II-Nebel und führte ihn 1959 in seinem veröffentlichten «Catalogue of HII Regions» unter der Bezeichnung Sh 2-200 auf. [310] Im Jahr 1965 nahm Beverly T. Lynds den Nebel Sh 2-200 unter der Bezeichnung LBN 138.18+04.11 (LBN 674) in ihren «Catalogue of Bright Nebulae» auf. [270]
Die wahre Natur dieses Nebels wurde 1983 erstmals von H. Hartl, J. Dengel und R. Weinberger vom Institut für Astronomie in Innsbruck angezweifelt. Sie untersuchten ebenfalls die Fotoplatten des POSS, diesmal aber nach alten planetarischen Nebeln. Dabei fanden sie 13 neue Kandidaten für planetarische Nebel, darunter auch dieses Objekt, das als zweiter Eintrag aufgeführt wurde und auf der POSS-Platte 968 entdeckt worden war. [764] In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1987 beschrieben Hartl und Weinberger den Nebel folgendermaßen: «Dieses Objekt, das als Sharpless 200 katalogisiert ist, erscheint im E-Film als relativ großer, leicht deformierter Ring und im O-Film schwächer und eher scheibenförmig. Besonders bemerkenswert ist ein ausgedehnter Halo, der den planetarischen Nebel (PN) umgibt und einen sechsmal größeren Durchmesser als der Zentralnebel aufweist. Man beachte, dass der Halo damit eine Ausdehnung von 0,4° hätte, was bei einer Entfernung von 580 pc einer Größe von 4 pc entspricht! Der hellste Bereich im Südosten des Halos weist eine rote Flächenhelligkeit von lediglich etwa 24,5 mag auf. Obwohl kein blauer Zentralstern sichtbar ist, vermuten wir aufgrund seiner enormen Helligkeit in [O III], die in der Emissionsliniendurchmusterung von Parker et al. (1979) festgestellt wurde, dass es sich um einen planetarischen Nebel handelt. Der Halo ist dort allerdings nicht nachweisbar. Eine detaillierte Untersuchung des Nebels und seines Halos ist erforderlich.» [765]
Sharpless 2-200 (HDW 2, Hartl-Dengel-Weinberger 2) ist ein sehr fortgeschrittener planetarischer Nebel. Nachdem der Zentralstern seinen gesamten kernnahen Brennstoff aufgebraucht hatte, war seine Leuchtkraft bereits stark zurückgegangen. Der innere Nebel erscheint als diffuser Kreis mit geringer Flächenhelligkeit, der von mehreren parallelen, geradlinigen Strukturen durchzogen ist. Er wird von einem filamentartigen Halo mit annähernd kreisförmiger Geometrie umgeben, dessen westliche Seite deutlich lichtschwächer ist als die östliche. Es ist nicht geklärt, ob dieser Halo aus interstellarem Gas besteht, das vom Zentralstern ionisiert wird, oder aus uraltem Material, das der Stern vor etwa 50'000 bis 100'000 Jahren selbst abgestoßen hat, als er ein Roter Riese war. Sowohl der innere Nebel als auch der Halo weisen parallele Streifen auf, die senkrecht zur galaktischen Ebene ausgerichtet sind. Dies ist wahrscheinlich auf eine Wechselwirkung mit dem galaktischen Magnetfeld zurückzuführen. [766, 767]
Der planetarische Nebel weist geringfügige Abweichungen von einer achsensymmetrischen und punktsymmetrischen Struktur auf. Diese könnten entweder durch eine Wechselwirkung mit interstellarer Materie oder durch ein Dreifachsternsystem im Zentrum erklärt werden. Bislang konnte jedoch keine dieser Erklärungen bestätigt werden. [769]
Offener Sternhaufen Trümpler 3
Der offene Sternhaufen Trumpler 3 wurde 1930 vom Schweizer Astronomen Robert J. Trümpler katalogisiert, als er Fotografien der Milchstraße von Barnard untersuchte. Er führte ihn unter der Bezeichnung An. 3 mit einem Winkeldurchmesser von 17 Bogenminuten und der Klassifikation II 3p auf (II = abgetrennter Sternhaufen mit geringer zentraler Konzentration, 3 = aus hellen und lichtschwachen Sternen zusammengesetzt, p = arm an Sternen, weniger als 50 Sterne). Als Entfernung nahm er 690 Parsec an. Trumpler merkte an, dass Barnard den Sternhaufen bereits zuvor (Bd. Atl., Taf. 2) als «sehr lockeren offenen Sternhaufen, nicht besonders reich an Sternen, aber regelmäßig in Umriss und Struktur» erwähnt hatte. [712]
Der schwedische Astronom Per Collinder führte den Sternhaufen unter der Nummer 36 in seinem 1931 veröffentlichten «Catalog of Open Galactic Clusters» auf. Er beschrieb den Haufen als «unregelmäßig geformt, sichel- oder dreieckförmig, mit Ausläufern». [455]
Eine photometrische und spektroskopische Untersuchung schätzt das Alter des Sternhaufens auf 70 ± 10 Millionen Jahre, seine Entfernung auf 0,69 ± 0,03 kpc und seinen Grenzradius auf 12 Bogenminuten. Die Gesamtzahl seiner Mitglieder wird auf 570 ± 90 Sterne geschätzt, bei einer Gesamtmasse des Sternhaufens von 270 ± 40 Sonnenmassen. Trumpler 3 ist eine junge Sternansammlung mit geringer Gesamtmasse und einer typischen Steigung der Massenfunktion. Sie befindet sich nahe dem äußeren Rand des Orionarms der Milchstraße. [763]
| Name | Cl Trumpler 3 |
| Objekttyp | Open Cluster |
| Rektaszension (J2000.0) | 03h 12m 01s |
| Deklination (J2000.0) | +63° 13' 05" |
| Parallaxen | 1.461 mas |
| Radialgeschwindigkeit | -22.805 km/s |
| Rotverschiebung z | -0.000076 |
| Winkelausdehnung | 33.1' × 33.1' |
| Magnituden | V 7 |
| Identifiers | C 0307+630; Cl Harvard 1; Cl Trumpler 3; [KC2019] Theia 127; [KPR2004b] 40; [KPS2012] MWSC 0262 |
Auffindkarte
The nebulae Sh 2-200 and open Cluster Trumpler 3 are located in the constellation Cassiopeia. On 12. November it is in opposition to the Sun and culminates at local midnight.
