Offene Sternhaufen M 35 und NGC 2158

M 35 + NGC 2158
M 35 + NGC 2158: Messier 35 (links) und NGC 2158 (rechts); 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 30+15+15+15 min LRGB; Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Messier 35

Der offene Sternhaufen M 35 wurde 1745 vom Schweizer Astronomen Philippe de Cheseaux entdeckt. Er gab seine Lage als «über den nördlichen Füßen von Gemini» an. Obwohl er keine Koordinaten angab, scheint die Identifikation sicher zu sein. Messier notierte, dass der Sternhaufen im Sternatlas von Jon Bevis aus 1750 verzeichnet war, zusammen mit mit einigen anderen damals bekannten hellen Nebeln und Sternhaufen.

M 35 befindet sich in einer Entfernung von etwa 830 pc bis 1185 pc (2700 bis 3800 Lichtjahre). Sein Kern misst etwa 20 Bogenminuten im Durchmesser. Verstreute Außenseiter reichen etwa das Doppelte hinaus. Diese scheinbaren Größen entsprechen etwa 15 und 30 Lichtjahren. Etwa 120 von ingesamt ungefähr 500 Sternen in dem Haufen sind heller als 13. Größenklasse. Die heißesten Sterne gehören zur Spektralklasse B3, aber es kommen auch einige gelbe und orange Riesen des Typs G und K vor. Das Alter wird auf etwa 100 Millionen Jahre geschätzt. Studien der Geschwindigkeitsverteilung zeigen, dass sich im zentralen Berich von 10 Lichtjahren etwa 2000 Sonnenmassen befinden und der gesamte Haufen etwa das Doppelte besitzt. [4, 145, 196]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
BezeichnungNGC 2168
TypOCL (III2m)
Rektaszension06h 09m 00.0s
Deklination+24° 21' 00"
Durchmesser25 arcmin
Visuelle Helligkeit5.1 mag
Metrische Entfernung0.830 kpc
Dreyer BeschreibungCl, vL, cRi, pC, st 9...16
Identifikation, AnmerkungenM 35, OCL 466

NGC 2158

Etwa ein halbes Grad südwestlich von M 35 liegt NGC 2158, welcher von Wilhelm Herschel am 16. November 1784 mit seinem selbstgebauten 18.7 Zoll Spiegelteleskop entdeckt wurde. Er katalogisierte ihn als VI 17 (Klasse VI = sehr komprimierte und reiche Sternhaufen) und notierte: «Ein sehr reicher Haufen von sehr komprimierten, extrem kleinen Sternen. 4' oder 5' Durchmesser. Eine Miniatur des 35er Haufens der Connoissance des Temps, dem er 1' 18" vorausgeht und der 2' nördlich liegt.» [463]

Es handelt sich bei NGC 2158 um einen sehr reichhaltigen und entfernten Sternhaufen. Mehrere tausend Sterne auf einer Fläche von etwa fünf Bogenminuten. Die ungewöhnlich vielen Sterne und deren symmetrische Verteilungen lassen vermuten, dass es sich hier um eine Zwischenstufe von offenen Sternhaufen zu einem Kugelsternhaufen handelt, doch zeigt der Haufen nicht die für Kugelsternhaufen typische zentrale Dichte. Das Alter des Haufens wird auf über eine Milliarde Jahre geschätzt, so sind die heißesten Sterne der Hauptreihe des Typs F0 und es hat viele orange und rote Riesen. Zu jung für Kugelsternhaufen, welche etwa zehnmal so alt sind. Entfernungsmessungen zeigen eine Distanz von 4000 pc bis 8472 pc (13'000 bis 27'000 Lichtjahre). Der Sternhaufen befindet sich somit am äußeren Rand unserer Galaxis. [4, 145, 196]

Revised+Historic NGC/IC, Version 22/9, © Dr. Wolfgang Steinicke [277]
BezeichnungNGC 2158
TypOCL (II3r)
Rektaszension06h 07m 25.6s
Deklination+24° 05' 46"
Durchmesser5 arcmin
Visuelle Helligkeit8.6 mag
Metrische Entfernung4.980 kpc
Dreyer BeschreibungCl, pS, mC, vRi, irr Δ, st eS
Identifikation, AnmerkungenOCL 468

Auffindkarte

Der Cluster befindet sich im Sternbild Zwillinge. Die beste Beobachtungszeit in der Schweiz und an anderen Orten auf ungefähr demselben Breitengrad ist von Oktober bis April.

Karte Offene Sternhaufen M 35 und NGC 2158
Offene Sternhaufen M 35 und NGC 2158 im Sternbild Gemini. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

400 mm Öffnung: Die beiden Cluster zeigen mit dem 21 mm Ethos-Okular bei 85-facher Vergrößerung ein beeindruckendes Bild. Beide passen in das gleiche Sichtfeld. Ich mag den Kontrast eines lockeren offenen Sternhaufens mit hellen Sternen (M 35) zwischen einem kleineren, dichteren offenen Sternhaufen mit schwächeren Sternen (NGC 2158). Einige rötliche und bläuliche Sterne stechen in M 35 hervor. — Taurus T400 f/4.5 Dobsonian, Bernd Nies, Glaubenberg Langis, 28. Februar 2022

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben

4«Burnham's Celestial Handbook: An Observer's Guide to the Universe Beyond the Solar System» by Robert Burnham; Dover Publications, Inc.; Voume I: ISBN 0-486-23567-X; Volume II: ISBN 0-486-23568-8; Volume III: ISBN 0-486-23673-0
145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
196Celestial Atlas by Curtney Seligman; cseligman.com/text/atlas.htm (2020-12-28)
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)
463«Catalogue of one thousand new nebulae and clusters of stars» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1786; DOI:10.1098/rstl.1786.0027