CRL 2688, Eiernebel, Egg Nebula

Objektbeschreibung

CRL 2688
CRL 2688: Eiernebel, ein protoplanetarer PN; 500 mm Cassegrain f=5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 60+3*10 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2005 Radek Chromik

Während des «Air Force Cambridge Research Laboratory» (AFCRL) Rocket Surveys wurde 1974 von Price und Walker eine vom Objekt CRL 2688 (AF 803-2935) ausgehende starke Infrarot-Emission entdeckt. Martin Cohen identifizierte diese Infrarotquelle mit einem ovalen Nebel auf den Fotoplatten des «Palomar Observatory Sky Survey» (POSS). E. P. Ney prägte den Spitznamen «Egg Nebula» (Eiernebel) in einem Artikel in der Januar 1975 Ausgabe von «Sky & Telescope». Andere gebräuchliche Bezeichnungen sind V1610 Cygni, welche sich auf den veränderlichen Stern bezieht. [340, 341]

In Fritz Zwickys 1971 erschienener «Catalogue of selected compact galaxies and of post-eruptive galaxies» ist das Objekt an der Position als IV Zw 067 mit der Bemerkung «Pair of blue fuzzy oval compacts» aufgeführt. Diese vermeintliche Galaxie schaffte es in den 1973 herausgegebenen «Uppsala General Catalogue» als UGC 11668 und als PGC 3097220 und PGC 3099128 in die HyperLEDA Datenbank mit einer hypothetischen Fluchtgeschwindigkeit von 2550 ± 20 km/s. [226, 342]

In der 2001 Ausgabe von Kohouteks «Catalogue of Galactic Planetary Nebulae» ist der Nebel noch in der Tabelle 5 für «Possible pre-Planetary Nebulae» als CRL 2688 aufgeführt. Die Bezeichnung PK 80-6.1 ist dort noch nicht erwähnt und kam erst später. [146]

PK 80-6.1
Aufnahme mit dem Hubble Weltraumteleskop [343]

Bei diesem Objekt handelt es sich um Post-AGB Stern (AGB = asymptotic giant branch), also einem Stern mit 0.6 bis 10 Sonnenmassen, der sich in einer sehr späten Entwicklungsphase befindet bzw. um einen proto-planetaren Nebel. Dies ist ein sehr kurzes Stadium in der stellaren Entwicklung und dauert nur wenige tausend Jahre an. Die heissen Überreste des Sterns im Zentrum heizen das umliegende Gas auf und regen es zum Leuchten an. Da solche proto-planetaren Nebel nur sehr kurz dauern und sehr leuchtschwach sind, wurden noch nicht viele entdeckt. V1610 Cygni war die erste Entdeckung dieser Art.

Der Zentralstern hält sich hinter einer dicken Wolke aus Staub versteckt. Vier Strahlen scheinen wie Suchscheinwerfer durch den Nebel. Es wird angenommen, dass vom Stern ausgehende Jets ringförmige Löcher in den sonst undurchdringlichen Kokon aus Staub geschnitten haben, aus denen nun Licht entweichen kann. Wie das genau entstehen kann, ist noch unklar. Es wird vermutet, dass im Zentrum ein Binärsystem statt eines einzelnen Sternes sein könnte. Die zwiebelschalenartige Struktur des den zentralen Kokon umgebenden diffusen Nebels wurde durch periodische Materialauswürfe des sterbenden Sterns erzeugt. Solche Auswürfe finden typischerweise alle paar hundert Jahre statt.

Die Distanz von planetarischen Nebeln ist allgemein schwer zu bestimmen. Man schätzt, dass V1610 Cygni etwa 3000 Lichtjahre von uns entfernt ist. [343]

R.A. (J2000)   : 21h 02m 18.27s 
Dec. (J2000)   : +36° 41' 37.0"
vis. Helligkeit: 14 mag ... 15.5 mag (?)
Abmessungen    : 33" x 23"

Weitere Infos bei CDS: PK 80-6.1

Auffindkarte

Der planetarische Nebel PK 80-6.1 befindet sich im Sternbild Cygnus (Schwan). Die beste Beobachtungszeit ist April bis November, wenn er nachts am höchsten steht.

PK 80-6.1 Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

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