Geisternebel (Sh 2-136, vdB 141)

vdB 141
vdB 141: Geisternebel in Auriga; Cassegrain 400 mm f/3 + STL 11000M; Luminanz 280 min, RGB je 60 min; Sternwarte Oberes Schlierental, Obwalden; © 2020 Eduard von Bergen

Geschichte

Bei der Durchsicht der Fotoplatten des «Palomar Observatory Sky Survey», welche mit dem 48 Zoll Schmidt-Teleskop gemacht wurden, stieß der amerikanische Astronom Stewart Sharpless auf den Emissionsnebel Sh 2-136 und veröffentlichte ihn 1959 zusammen mit insgesamt 313 H-II-Regionen in einem Katalog. [310]

Im Jahr 1962 veröffentlichte Beverly T. Lynds in ihrem «Catalogue of Dark Nebulae» eine Zusammenstellung von 1802 Dunkelnebeln, die sie auf Fotoplatten des «National Geographic Palomar Observatory Sky Atlas» fand. Dieser Nebel ist dort mit der Bezeichnung LDN 1177 (auch L1177) aufgeführt. [473]

Im Jahr 1966 durchsuchte Sidney van den Bergh die fotografischen Platten des «Palomar Sky Survey» nach Reflexionsnebeln und fand einen (vdB 141) um den Stern BD+67 1300. Er nahm ihn 1966 in seinen «Catalog of Reflection Nebulae» auf und klassifizierte den Nebel als «Typ I», was bedeutet, dass sich der Stern, der den Nebel beleuchtet, im Inneren des Nebels befindet. Die Helligkeit des Nebels gab er auf den blauen Fotoplatten mit «F» (faint = schwach) an, die Farbe mit «R» für rötlich und die Absorption mit «Wk» (weak = schwach). [307]

Physikalische Eigenschaften

vdB 141
vdB 141: Aufnahme mit dem Mayall 4 m Teleskop auf dem Kitt Peak. T. A. Rector, H. Schweiker, NOIRLab/NSF/AURA, 2009 [256]

Der mit dem Reflexionsnebel vdb 141 assoziierte Stern ist BD+67 1300 (TYC 4461-645-1) und ist vom Spektraltyp G8. 2018 veröffentlichte Messungen mit der 2013 gestarteten ESA Raumsonde Gaia ergaben, dass er sich in 1120 Lichtjahren Entfernung befindet und sich mit 32 km/s in unsere Richtung bewegt. Im Inneren dieser Molekülwolke befinden sich aber noch weitere Sterne, denn es ist ein Sternentstehungsgebiet. Die visuelle Helligkeit wird im vdB-Katalog mit 9.4 mag angegeben, doch bei Simbad findet sich eine Helligkeit im V-Band von 10.8 mag. [145, 255] Der Nebel gehört zu der Molekülwolke CB 230 oder LDN 1177, die zu einem großen Komplex von Molekülwolken gehört, welcher «Cepheus Flare Region» genannt wird.

In Abb. 2 auf der rechten Seite sieht man den Jet eines jungen Protosterns innerhalb der Molekülwolke. Das Foto lässt erahnen, warum vdB 141 den Spitznamen «Ghost Nebula» erhielt. Zwei Geister erheben drohend ihre Arme. Andere Spitznamen sind: «Spooky Nebula» oder «Ghosts of Cepheus». Es gibt noch andere Nebel, welche einen ähnlichen Spitznamen erhalten haben: Little Ghost Nebula (NGC 6369), Ghost Head Nebula (NGC 2080), Ghost of Cassiopeia (IC 63).

Weitere Infos bei CDS: vdB 141, Sh 2-136, LDN 1177

Auffindkarte

VdB 141 befindet sich im westlichen Teil des Sternbilds Cepheus, unweit von NGC 7023. Die genaue Position im Okular kann mit dem 1° Closeup verglichen werden. Man achte hier auf die Dreierreihe mit dem markanten Doppelstern in der Mitte, welcher den Weg zu vdB 141 weist. Das Sternbild Cepheus zwar zirkumpolar, doch in den Monaten Mai bis Dezember steht es am höchsten am Himmel und somit kann dann der Nebel am besten beobachtet werden.

Auffindkarte Geisternebel (Sh 2-136, vdB 141)
Geisternebel (Sh 2-136, vdB 141) im Sternbild Cepheus. Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. Grenzgrößen: Sternbildkarte ~6.5 mag, DSS2-Ausschnitte ~20 mag. [149, 160]

Weitere Objekte in der Nähe (±15°)

Quellenangaben