Galaxien NGC 4206, NGC 4216, NGC 4222

Objektbeschreibung

NGC 4206, NGC 4216, NGC 4222
NGC 4206, NGC 4216, NGC 4222: Drei Galaxien in Virgo (v. l. n. r.); 500 mm Cassegrain f/7.2; SBIG STL11K; 90-30-30-30 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Die zwei Galaxien NGC 4189 und NGC 4222 wurden am 8. April 1784 vom deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem selbstgebauten 18.7" f/12.8 Spiegelteleskop im englischen Bath entdeckt. Wenige Tage später am 17. April stiess er dann auf die etwas südlicher gelegenen Galaxien NGC 4193, NGC 4206 und 4216. [196, 277] Dies verrät, wie Herschel damals bei seinen Entdeckungen vorging: Er stellte sein mit Seilzügen montiertes, langes Teleskop auf eine bestimmte Höhe ein und liess die Erddrehung den Himmel vorüber ziehen. In der nächsten Nacht verstellte er sein Teleskop auf eine andere Höhe und kartografierte den nächsten Streifen.

Die Doppeleinträge IC 3050, IC 3051, IC 3064 und IC 3087 stammen vom deutschen Astronomen Friedrich Carl Arnold Schwassmann, der am 17. September und 16. November 1900 dieses Himmelsgebiet mit der 6" Astrokamera der Königstuhl Sternwarte in Heidelberg fotografierte. Weder Schwassmann noch Dreyer fiel auf, dass die Positionen mit Herschels entdeckten NGC 4189, NGC 4193, NGC 4206 und NGC 4222 deckten, weshalb sie im 1910 von Dreyer herausgegebenen «Second Index Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» [315] erschienen sind. Dies fiel erst 1930 der amerikanischen Astronomin Adelaide Ames auf, als sie über 3000 Galaxien in Coma Berenices und Virgo entdeckte und kartografierte. [196, 277]

NGC 4206, NGC 4216, NGC 4222
NGC 4206, NGC 4216, NGC 4222: Stellare Gezeitenströme von NGC 4216 und Asteroid (45696) 2000 EM167; 400 mm Cassegrain f/3; SBIG STL11M; 7h LRGB; Oberes Schlierental 1450m ü. M.; © 7. 2. 2011 Eduard von Bergen

Bei NGC 4216 handelt es sich um eine Balkenspiralgalaxie des Typs SAB(s)b und befindet sich im Aussenbereich des Virgohaufens, etwa 4° von dessem Zentrum (M 87) entfernt. Wir sehen sie unter einem Neigungswinkel von etwa 85° fast von der Kante. Im Zentrum befindet sich ein roter und kompakter Kern umgeben von charakteristischen Staubbändern. Die Galaxie ist von einem sehr diffusen, stellaren Halo umgeben mit filamentartigen Strukturen und Gezeitenströmen. Es wird vermutet, dass diese Strukturen von einem früheren, heftigen Bombardement von Zwerggalaxien herrührt. Die sehr geringe Radialgeschwindigkeit von 129 km/s, welche sich stark von der durchschnittlichen Radialgeschwindigkeit von 1300 km/s des Virgohaufens unterscheidet, zeigt, dass sich diese Galaxie relativ schnell in Bezug auf das Zentrum des Haufens bewegt. NGC 4216 ist die massereichste Galaxie innerhalb eines Bereichs mit 400 kpc Radios. Die nächstgelegene Galaxie mit höherer Masse ist M 99 in einer Entfernung von 420 kpc. [444]

Die fünf Galaxien gehören zum Virgohaufen und befinden sich in einer Entfernung von etwa 16 Mpc bis 38 Mpc. Zwischen NGC 4189 und NGC 4222 verläuft die IAU-Grenze des Sternbilds Virgo. NGC 4189 liegt nördlich dieser Grenze und befindet sich bereits im Sternbild Coma Berenices. [145]

«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144] Koordinaten in J2000.0; HRV = Heliozentrische Radialgeschwindigkeit; PA = Positionswinkel
NamenRA [hms]Dec [dms]Morph TypDim [']Btot [mag]HRV [km/s]PA [°]
IC 3050, NGC 418912 13 46.7+13 25 36SB2.5 x 1.712.52112 85
IC 3051, NGC 419312 13 53.4+13 10 27SB2.2 x 1.113.22474 93
IC 3064, NGC 420612 15 16.5+13 01 30S6.4 x 1.112.8702 0
NGC 421612 15 53.0+13 08 58SB7.8 x 1.811.1129 19
IC 3087, NGC 422212 16 22.6+13 18 31S3.1 x .513.9226 56

Auffindkarte

Die Galaxiengruppe befindet sich im Sternbild Virgo. Die beste Beobachtungszeit ist Februar bis Juni, wenn es nachts am höchsten steht.

NGC 4216 Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro [149] und STScI Digitized Sky Survey [160] erstellt.

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