NGC 404, Mirachs Geist

NGC 404
NGC 404: Stern Mirach (β Andromedae) und dessen Geistergalaxie NGC 404; 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 95+15+15+15 min LRGB; Berner Oberland; © 215 Radek Chromik

Geschichte

Die Galaxie NGC 404 wurde am 13. September 1784 vom deutsch-britischen Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel mit seinem 18.7 Zoll Reflektor entdeckt und als II 224 katalogisiert. [277].

Da sich NGC 404 sehr nahe am Stern β Andromedae befindet, wurde die Galaxie auf manchen Sternkarten gar nicht eingezeichnet, da sie sonst vom Symbol des Sterns überdeckt würde. So kam es, dass diese Galaxie von einigen Amateurastronomen fälschlicherweise für einen neu entdeckten Komet gehalten wurde. [105]

Physikalische Eigenschaften

NGC 404 ist eine Spiralgalaxie des Typs SA(s), mit eng gewundenen Spiralarmen. Die Rotationsachse zeigt in unsere Richtung, weshalb sie mit 6.1' äusserstem Durchmesser kreisrund erscheint. Der Kern dieser Galaxie ist sehr hell. Die visuelle Helligkeit beträgt 10.3 mag, doch die Oberflächenhelligkeit nur 14.0 mag. Die Entfernung dieser Galaxie wird mit 8 Mio. bis 8.2 Mio. Lichtjahren angegeben und sie soll sich mit 178 km/s vom Zentrum der Lokalen Gruppe entfernen. [134]

«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144]
BezeichnungenPGC 4126: NGC 404, UGC 718, MCG 6-3-18, CGCG 520-20, IRAS 1066+3527
Rektaszension (J2000.0)01h 09m 26.9s
Deklination (J2000.0)+35° 43' 04"
Morphologischer TypL
Abmessungen3.9' x 3.9'
Visuelle Helligkeit11.2 mag
Radialgeschwindigkeit (HRV)-45 km/s
Positionswinkel°

Wo spukt das Geisterbild von Mirach?

Die Lage der Galaxie NGC 404 ist so einprägsam, dass sie selbst ein ungeübter Sterngucker auf Anhieb finden würde. Sie liegt nur etwa 7' nordwestlich vom ca. 2.1 mag hellen Stern Mirach (β Andromedae) entfernt. Man soll sich nicht durch mögliche Geisterbilder von Mirach im Okular verwirren lassen. Diese sehen zwar ähnlich aus, haben aber nicht immer die gleich Position relativ zum Stern.

Karte NGC 404
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

NGC 404
NGC 404: Zeichnung; 300 mm f/4 Newton, 300-fach; © 15. 12. 1996 Bernd Nies

300 mm Öffnung: Um die Galaxie gut erkennen zu können, sollte der helle Stern Mirach ausserhalb des Bildfeldrandes positioniert werden. Von NGC 404 ist dann bei geringer Vergrösserung bis etwa 160-fach nur die hellere Zentralregion erkennbar, welche sich als schwacher, runder, diffuser Fleck zu erkennen gibt. Weiss man nicht, dass sich unmittelbar neben Mirach eine Galaxie befindet, so kann man sie leicht für einen Reflex des Sterns an den Linsen in einem schlecht vergüteten Okular halten, was einige auch taten. Aus diesem Grund habe ich der Galaxie den Namen Mirach's Ghost gegeben.

Bei noch höherer Vergrösserung, wie 300-fach, gibt die Galaxie mehr von ihrer Struktur bekannt. Das Zentrum der Galaxie verrät ihren stellaren Kern, der besonders gut bei indirektem Sehen erkennbar ist. Die Helligkeit der Galaxie ist im mittleren Bereich deutlich höher.

300mm f/4 Newton
Bernd Nies, 1996

Quellenangaben

105A Star-Hop from Andromeda by Alan M. MacRobert; S&T 12/93, p.45
134Lyon-Meudon Extragalactic Database (LEDA); leda.univ-lyon1.fr
144Catalogue of Principal Galaxies (PGC); Paturel G., Fouque P., Bottinelli L., Gouguenheim L.; Astron. Astrophys. Suppl. Ser. 80, 299 (1989); cdsarc.unistra.fr/viz-bin/cat/VII/119 (2021-02-18)
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
277«Historische Deep-Sky Kataloge» von Dr. Wolfgang Steinicke; klima-luft.de/steinicke (2021-02-17)