Markarjansche Kette

Objektbeschreibung

Markarjansche Kette
Markarjansche Kette: The Eyes NGC 4435/4438 + M 84/86 + 100 weitere Galaxien. Siehe Bild mit Beschriftung; Schmidt-Newton 250 mm f/4, Canon EOS 20Da 1600 ISO; RGB 151 min; Obwalden; © 2018 Eduard von Bergen

Die Markarjansche Kette ist eine langgezogene Gruppe, welche ein Teil des Virgo-Galaxienhaufens bildet. Aus unserer Blickrichtung erscheinen sie wie auf einer sanften Kurve aneinandergereiht.

Der deutsche Astronom Johan Gottfried Köhler stiess am 5. Mai 1779 als erster auf die hellsten beiden Galaxien, welche nach der unabhängigen Entdeckung von Charles Messier 18. März 1781 als M 84 und M 86 bekannt wurden. Zu M 84 schrieb Messier: «Nebel ohne Stern, in der Jungfrau; das Zentrum ist ein wenig brilliant, umgeben von einem leichten Nebel: Die Helligkeit und das Aussehen erinnern etwas an das von Nr. 59 und Nr. 60.» Zu M 86 schrieb er: «Nebel ohne Stern, in der Jungfrau, auf der Parallelen und gleich neben dem vorhergehenden Nebel Nr. 84. Sie gleichen sich im Aussehen und sind beide im gleichen Bildfeld des Fernrohrs sichtbar.» [281]

Beide Galaxien M 84 und M 86 sind elliptische Galaxien vom morphologischen Typ E-E/S0. M 84 ist eine Seyfert 2 Galaxie und somit sehr aktiv. Distanzmessungen der beiden Galaxien reichen von 16.8 Mpc bis 19.2 Mpc (cs. 55 bis 62 Millionen Lichtjahre). [145]

NGC 4438 + M 86
Vergangene Kollision von NGC 4438 mit M 86. Aufnahme mit dem Mayall 4m Teleskop auf Kitt Peak, [286]

Etwa 23 Bogenminuten östlich von M 86 befindet sich das Galaxienpaar NGC 4435 und NGC 4438, auch bekannt als «The Eyes» oder «Eyes Galaxies». Entdeckt wurden sie am 8. April 1784 von Wilhelm Herschel. Diese beiden sich nahe stehenden Galaxien wurden Halton Arp in seinem 1966 erschienenen «Atlas of Peculiar Galaxies» als Nr. 120 aufgeführt. [199] Die Deformation von NGC 4438 (die grössere der beiden Galaxien) ist auf Abb. 1 gut erkennbar. Sie geht vermutlich nicht auf NGC 4435 zurück, sondern auf eine frühe Kollision mit M 86, die sie mit hoher Wucht getroffen haben muss. Auf Langzeit-Aufnahme sind Filamente aus ionisiertem Wasserstoffgas zwischen den beiden Galaxien sichtbar. [286] Siehe Abb. 2.

Ein weiteres Paar dieser Galaxienkette ist NGC 4458 und NGC 4461. Sie wurden am 12. April 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Die Galaxie NGC 4461 hat durch einen Fehleintrag auch die Nummer NGC 4443 erhalten. [196]

Diese Galaxienkette wurde nach dem Armenischen Astrophysiker Benjamin Markarian benannt, welcher in den frühen 1960er Jahren die gemeinsame Bewegung der Galaxien erkannte. Die Kette beinhaltet folgende Galaxien: M 84 (NGC 4374), M 86 (NGC 4406), NGC 4477, NGC 4473, NGC 4461, NGC 4458, NGC 4438 und NGC 4435. [196]

Markarjansche Kette
Markarjansche Kette: Mit M 87, dem Zentrum des Virgohaufens (unten links); TS Triplet APO 90, Reducer Photoline 0.79 (490mm / f5.44), SBIG ST-8300; 13L x 600sec 1×1, 13R, 15G, 12B 2×2 x 600sec; Berner Oberland; © 2018 Bernhard Blank, Dragan Mihajlovic
«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144]
NameRA [hms]Dec [dms]mTypeDim [']Btot [mag]HRV [km/s]PA [°]
NGC 4374, M 8412 25 03.6+12 53 14E6.7 x 6.010.2956135
NGC 4406, M 8612 26 11.7+12 56 49E M9.8 x 6.39.9-248130
NGC 443512 27 40.5+13 04 47LB M3.0 x 2.211.878113
NGC 443812 27 45.4+13 00 35S M8.5 x 3.010.96427
NGC 445812 28 57.7+13 14 35E1.6 x 1.512.8668
NGC 446112 29 02.9+13 11 08LB3.4 x 1.412.019189
NGC 447312 29 48.7+13 25 49E4.2 x 2.611.22237100
NGC 447712 30 02.4+13 38 11LB3.7 x 3.311.4134815

Folgende in der Auffindkarte eigezeichnete Galaxien zählen nicht offiziell zur Markarjansche Kette, sondern befinden sich nur zufällig in etwa der gleichen Blickrichtung: NGC 4387, NGC 4388, NGC 4413, NGC 4479, NGC 4402, NGC 4425.

«Catalogue of Principal Galaxies (PGC)», Paturel et al. 1989 [144]
NameRA [hms]Dec [dms]mTypeDim [']Btot [mag]HRV [km/s]PA [°]
NGC 438712 25 41.7+12 48 41E1.7 x 1.113.0561140
NGC 438812 25 46.9+12 39 41S5.6 x 1.511.8251892
NGC 440212 26 07.8+13 06 45S3.6 x 1.112.623690
NGC 441312 26 31.8+12 36 35SBR2.3 x 1.412.79760
NGC 442512 27 13.3+12 44 09LB2.8 x 1.012.8188327
NGC 447912 30 18.5+13 34 41LB1.6 x 1.313.5822

Auffindkarte

Die Markarjansche Kette befindet sich im Sternbild Virgo (Jungfrau). Verlängere die gedachte Linie der Sterne Chertan (θ Leonis) zu Denebola (β Leonis) um denselben Betrag. Dort befinden sich die beiden Galaxien M 84 und M 86. Die Kette setzt in einem leichten Bogen nach Norden geschwungen nach Osten fort. Im Virgo-Haufen kann man sich vor lauter Galaxien leicht verirren. Die beste Beobachtungszeit ist Februar bis Juni.

Karte M 84, M 86
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Quellenangaben

144Catalogue of Principal Galaxies (PGC); Paturel G., Fouque P., Bottinelli L., Gouguenheim L.; Astron. Astrophys. Suppl. Ser. 80, 299 (1989); cdsarc.unistra.fr/viz-bin/cat/VII/119 (2021-02-18)
145SIMBAD astronomical database; simbad.u-strasbg.fr/simbad
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
196Celestial Atlas by Curtney Seligman; cseligman.com/text/atlas.htm (2020-12-28)
199Atlas Of Peculiar Galaxies, Halton Arp; ned.ipac.caltech.edu/level5/Arp/Arp_contents.html (2020-12-28)
281«Catalogue Nébuleuses et des Amas D'Étoiles» Observées à Paris, par M. Messier, à l'Observatoire de la Marine, hôtel de Clugni, rue des Mathurins. «Connoissance des temps ou connoissance des mouvements célestes, pour l'année bissextile 1784 » Page 227; gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6514280n/f235 (2021-02-21)
286Big Galaxy Collisions Can Stunt Star Formation; noirlab.edu/public/news/noao0808 (2021-03-01)