Messier 76, Kleiner Hantelnebel

Objektbeschreibung

Messier 76
Messier 76: Kleiner Hantelnebel in Perseus; 500 mm Cassegrain 5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 60+10+10+10 min LRGB; Berner Oberland; © 2005 Radek Chromik

M 76 wurde von Pierre Méchain entdeckt. Charles Messier schrieb dazu: «Nebel am rechten Fuss von Andromeda, gesehen von M. Méchain am 5. September 1780, und er berichtet: Dieser Nebel enthält keine Sterne: Er ist klein und schwach. Am folgenden 21. Oktober suchte M. Messier mit seinem achromatischen Teleskop danach, und es schien ihm, dass es nur aus sehr kleinen Sternen bestand die Nebel enthielten, und dass das geringste Licht um die Drähte des Mikrometers zu beleuchten liess ihn verschwinden: die Position wurde anhand vom vierte Grösse Stern ψ Andromeda bestimmt.» [281]

Wilhelm Herschel beobachtete diesen Nebel am 12. November 1781 mit seinem 18.7" Spiegelteleskop, verzeichnete den Eintrag I 193 und notierte dazu: «Zwei nah beieinander. Beide sehr hell, Distanz 2' südlicher vorauseilend, nördlicher folgend. Einer ist 76 aus der Connoissance» [464] Herschels Sohn John führte in seinem 1864 erschienenen «Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars» [467] diesen «Doppelnebel» als GC 385 und GC 386 auf, wobei der erste als M 76 und der zweite als WH I 193 identifiziert wurde. Dies wurde dann 1888 von John L. E. Dreyer in dessen «New General Catalogue» [313] übernommen. Der amerikanische Astronom Heber Doust Curtis identifizierte 1918 schliesslich auf Fotoplatten des Lick Observatoriums M 76 als planetarischen Nebel. [461]

Dieser bipolare planetarische Nebel ist unter verschiedenen Namen bekannt: Korkzapfen-Nebel oder kleiner Hantelnebel, der kleine Bruder vom Hantelnebel (M 27). Der scharf begrenzte, zentrale, rechteckige Abschnitt steht im Kontrast zu den grossen büschelartigen Fortsätzen, die als zwei überlappende Ellipsen erscheinen. Der Zentralstern hat eine fotografische Helligkeit von 16.5 mag und etwa 0.6 bis 0.9 Sonnenmassen bei einer Temperatur von 100'000 bis 170'000 Kelvin. Betrachtet man das Aussehen des Nebels mit den gemessenen Geschwindigkeiten verschiedener Bereiche des Nebels ist es schwierig sich vorzustellen, wie das Gebilde aus Absonderungen des Zentralsterns entstanden ist. Es gibt mehrere Modelle, aber keines ist eindeutig. M 76 befindet sich etwa 2500 Lichtjahre von der Erde entfernt und misst etwa 0.7 Lichtjahre im Durchmesser. [283]

«Strasbourg-ESO Catalogue of Galactic Planetary Nebulae» Acker et al., 1992 [141]
BezeichnungenPN G130.9-10.5: NGC 650-51, PK 130-10.1, ARO 2, M 76, VV 6, VV'9
Rektaszension (B1950.0)01h 39m 12.00s a
Deklination (B1950.0)+51° 19' 00.0" a
Abmessungen 67." (optisch), 100." (radio)
Entfernung 1.2 kpc
Radialgeschwindigkeit-19.1 km/s ± 1.2 km/s
Expansionsgeschwindigkeit 38.5 km/s (O-III), 40. km/s (N-II)
Z-Stern BezeichnungenAG82 11
EntdeckerCURTIS 1918

Auffindkarte

M 76 befindet sich im Sternbild Perseus etwa 1° nördlich vom 4 mag hellen Stern φ Persei. Der PN ist zwar zirkumpolar, doch die beste Beobachtungszeit ist September bis Februar wenn er nachts am höchsten am Himmel steht.

Karte M 76
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt. [149, 160]

Visuelle Beobachtung

400 mm Öffnung: Mit 21 mm Ethos Okular (85-fach) ist der Nebel und seine bipolare Form ohne Filter deutlich erkennbar. Im 9 mm Nagler Okular (200-fach) sieht er aus wie ein Korken. Ohne O-III Filter gefällt mir der Anblick besser, da der Nebel eingebettet in feinen Sterne rundherum erscheint. Mit O-III Filter ist vom Nebel etwa gleich viel zu sehen wie ohne. Der helle Stern HD 10498 blendet, wenn er sich im Gesichtsfeld befindet. Im 6 mm Radian Okular (300-fach) erscheint der Nebel im Zentralbereich dunkler als am Rand. Auf der Seite mit dem kleinem Sternchen in der Nähe wirkt der Nebel etwas heller. Die Ansätze der Ohren sind eher erahnbar als erkennbar. — Taurus T400 f/4.5 Dobsonian, Hasliberg Reuti, 6. 11. 2021, Bernd Nies

Quellenangaben

141Strasbourg-ESO Catalogue of Galactic Planetary Nebulae; A. Acker, F. Ochsenbein, B. Stenholm, R. Tylenda, J. Marcout, C. Schohn; European Southern Observatory; ISBN 3-923524-41-2 (1992); cdsarc.unistra.fr/viz-bin/cat/V/84 (2021-02-18)
149SkySafari 6 Pro, Simulation Curriculum; skysafariastronomy.com
160The STScI Digitized Sky Survey; archive.stsci.edu/cgi-bin/dss_form
281«Catalogue Nébuleuses et des Amas D'Étoiles» Observées à Paris, par M. Messier, à l'Observatoire de la Marine, hôtel de Clugni, rue des Mathurins. «Connoissance des temps ou connoissance des mouvements célestes, pour l'année bissextile 1784 » Page 227; gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k6514280n/f235 (2021-02-21)
283M76, NGC 650/651; noirlab.edu/public/images/noao-m76-kpno-0-9-meter (2021-02-25)
313«A New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars, being the Catalogue of the late Sir John F.W. Herschel, Bart., revised, corrected, and enlarged» Dreyer, J. L. E. (1888); Memoirs of the Royal Astronomical Society. 49: 1–237; Bibcode:1888MmRAS..49....1D
461«The Planetary Nebulae» Curtis, H. D.; Publications of Lick Observatory, vol. 13, pp.55-74, 1918; Bibcode:1918PLicO..13...55C
464«Catalogue of a second thousand of new nebulae and clusters of stars; with a few introductory remarks on the construction of the heavens» William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1789; DOI:10.1098/rstl.1789.0021
467«Catalogue of nebuloe and clusters of stars» John Frederick William Herschel, Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 1 January 1864; DOI:10.1098/rstl.1864.0001