Messier 42 , Orionnebel

Objektbeschreibung

Messier 42
Messier 42: Orionnebel. Norden ist links; 10" Meade Schmidt-Newton, Canon EOS 20Da; 22 min, ISO 1600; Oberes Schlierental, Obwalden; © 2007 Eduard von Bergen

M 42, auch Orionnebel genannt, ist wohl einer der schönsten und grössten Emissions- und zum Teil auch Reflexionsnebel am Himmel und befindet sich im Sternbild Orion. Obwohl er von blossem Auge als Teil des Schwertes, südlich der drei Gürtelsterne sichtbar ist, findet man weder in antiken noch in mittelalterlichen Aufzeichnung eine Erwähnung. Nicht einmal Galileo Galilei erwähnte diesen Nebel.

M 42 / M 43
Mosaik aus 520 Aufnahmen des Hubble Weltraumteleskopes und erdgebundenen Fotos von M 42 und M 43 (oben links) [151]

Die Entdeckung des Nebels wird dem französischen Naturforscher, Astronomen und Patron der Wissenschaften Nicolas-Claude Fabri de Peiresc im Jahre 1611 zugeschrieben. Die nächste Erwähnung findet man 1618 vom schweizer Mathematiker und Astronom Johann Baptist Cysat. Er schien den Orionnebel hauptsächlich als einen Vergleich zu einem damals sichtbaren Kometen erwähnt zu haben. Der Nebel blieb vergleichsweise unerwähnt bis 1656 Christian Huygens die erste Zeichnung und Beschreibung veröffentlichte und die Aufmerksamkeit auf den bemerkenswerten Mehrfachstern θ Orionis inmitten des hellen Nebels zog. Wilhelm Herschel begann seine Beobachterkarriere 1774 mit der Beobachtung des Orionnebels in seinem selbstkonstruierten Spiegelteleskop. Der Anblick dessen hatte ihn so fasziniert, dass er die Beobachtung solcher Nebel zu seiner Lebensaufgabe machte. [4]

NGC 1977
NGC 1977: Der «Running Man Nebula» Sh-279 (NGC 1973, NGC 1975, NGC 1977) im Orionnebel; 500 mm Cassegrain 3625 mm f/7.2; SBIG STL11K; 120+40+40+40 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2011 Radek Chromik

Der Orionnebel M 42 befindet sich mit einer Entfernung von etwa 1500 Lichtjahren in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. So wie er auf den meisten Fotografien abgebildet ist, misst er etwa 30 Lichtjahre im Durchmesser. Der hellste zentrale Teil ist etwa 5-6 Lichtjahre gross. Obwohl die Dichte all des Gases weniger als ein Millionstel des besten in einem Labor erzeugbaren Vakuums beträgt, ist genug Material für die Bildung von 10'000 Sternen mit der Masse unserer Sonne vorhanden. Auf lange belichteten Aufnahmen zeigt sich, dass M 42 nur der hellste Teil eines gigantischen Molekülwolkenkomplexes ist, der sich bis über das ganze Sternbild hinweg ausbreitet und aus leuchtenden, reflektierenden wie auch dunklen Wolken zusammensetzt. Der ganze Nebelkomplex ist aktives Sternentstehungsgebiet. Auf Aufnahmen des Hubble Weltraumteleskopes sind protoplanetare Scheiben im Orionnebel zu entdecken. [4, 145]

Das «Schwert des Orions» beinhaltet nebst M 42 noch weitere Deep-Sky Objekte, welche in Dreyers Katalog eigene NGC-Nummern erhalten haben. Vergleiche Auffindkarte Abb. 6: Von Norden nach Süden sind das: offener Sternhaufen NGC 1981; Nebel NGC 1975; Nebel NGC 1977 mit Sternen 42 und 45 Orionis; M 47 (NGC 1982) dem nördlichen Zipfel des Orionnebels; M 42 (NGC 1976) der Orionnebel selbst mit θ1 Trapez; offener Sternhaufen NGC 1980 mit Stern Nair al Saif (ι Orionis).

«The Complete New General Catalogue and Index Catalogue of Nebulae and Star Clusters» von J.L.E. Dreyer, nachbearbeitet 1988 von Roger W. Sinnott [142]. Koordinaten in B2000.0.
Name Typ RA [hm] Dec [dm] Const ⌀ ['] vMag Beschreibung
NGC 1973Nb05 35.1-04 44Ori5.*8-9 inv in neb (1977)
NGC 1981OC05 35.2-04 26Ori25.4.6Cl, vB, lRi, st L, sc
NGC 1975Nb05 35.4-04 41Ori10.B** inv in neb (1977)
NGC 1976Nb05 35.4-05 27Ori66.4.!!! theta1 Ori and the great neb; = M42
NGC 1980Nb05 35.4-05 54Ori14.vF, vvL, 44 Ori inv
NGC 1977Nb05 35.5-04 52Ori20.!!, 42 Ori and neb
NGC 1982Nb05 35.6-05 16Ori20.9.! vB, vL, R with tail, mbM *8-9; = M43

Das Trapez

Messier 42
Messier 42: Orionnebel M 42 mit Trapez; 500 mm Cassegrain 5800 mm f/11.4; SBIG STL11K; 28+6+6+6 min LRGB; Sternwarte Lischerli, Ottenleuebad, Berner Oberland; © 2005 Radek Chromik

Ein besonderes Juwel befindet sich im Herzen von M 42 und ist zugleich die Hauptquelle für die Ionisierung des leuchtenden Gases: das Mehrfachsternsystem θ1 Orionis, auch 41 Orionis dem «Trapez». Die vier Ecksterne des Trapezes bilden: θ1 Orionis A bis D:

Trapez
Das Trapez im Orionnebel

θ1 Orionis A (41 Orionis A, HD 37020, V1016 Orionis) ist ein Bedeckungsveränderlicher. Er ändert alle 65.4 Tage kurzzeitig seine Helligkeit von 6.72 mag auf 7.65 mag. Es handelt sich um ein Mehrfachsternsystem mit drei bekannten Mitgliedern. Komponenten A1 und A2 sind etwa 0.2" (90 AE) voneinander getrennt, während A1 selber ein Doppelstern ist, dessen Begleiter in 1 AE Entfernung nur spektroskopisch nachgewiesen werden konnte. [268]

θ1 Orionis B (41 Orionis B, HD 37021, BM Orionis) ist ein Bedeckungsveränderlicher und ändert seine Helligkeit alle 6.47 Tage während 8-9 Stunden von 7.90 mag auf 8.65 mag. Auch hier handelt es sich um ein Mehrfachsternsystem mit mindestens fünf Mitgliedern, von denen vier optisch aufgelöst werden konnten. Der hellste Stern ist B1, während die Begleiter als B2, B3 und B4 bezeichnet werden. B2 und B3 sind nur 0.1" voneinander getrennt und die beiden sind 0.9" von B1 entfernt. B2 ist etwa zwei Magnituden schwächer als B2 und B3 nochmals eine Magnitude. Zwischen denen ist B4 mit 0.6" Abstand von B1 und fünf Magnituden schwächer. B1 ist ein heisser Stern der Hauptreihe mit dem Spektraltyp B1. Die Spektralklasse seines spektroskopischen Begleiters B5 wird auf G2 III geschätzt. [268]

θ1 Orionis C (41 Orionis C, HD 37022) ist der massereichste der Trapezsterne. Es ist ein blauer Riese mit der Spektralklasse O und besitzt einen Begleiter des Typs B. Seine Helligkeit beträgt 5.1 mag. Er produziert das meiste UV-Licht welches den Orionnebel zum Leuchten anregt. [270]

θ1 Orionis D (41 Orionis D, HD 37023) ist ein blauer Stern der Hauptreihe mit der Spektralklasse B und besitzt mehrere schwächere Begleitsterne. Einer davon befindet sich im Abstand von 1.4". Der andere konnte nur spektroskopisch nachgewiesen werden und umkreist ihn innerhalb von 40 Tagen. [271]

Die Helligkeiten der weiteren θ1 Orionis Komponenten sind: E = 10.3 mag, F = 10.2 mag, G = 14.5 mag, H1 = 14.5 mag, H2 = 15.5 mag, I = 15.0 mag.

Weitere Deep-Sky Objekte, welche zum Orion Molekularwolken-Komplex gehören, sind:

  • Messier 43 (NGC 1982, nördlicher Teil von Messier 42)
  • NGC 1980 (offener Sternhaufen südlich von Messier 42)
  • NGC 1981 (offener Sternhaufen nördlich von Messier 42)
  • Pferdekopfnebel (Barnard 33 vor IC 434)
  • NGC 2023: Knollenstern (Reflexionsnebel um 7.82 mag Stern HD 37903)
  • NGC 2024: Flammenbaumnebel
  • IC 435 (Reflexionsnebel um 8.3 mag Stern HD 38087)
  • Messier 78 (NGC 2068) mit NGC 2064, NGC 2067 und NGC 2071
  • Barnard Loop (Sharpless 2-276)
  • Hexenkopfnebel (IC 2118)
  • uvm.

— 14.2.2021, Bernd Nies

Auffindkarte

Der Orionnebel befindet sich im Schwert des Orions und ist von blossem Auge sichtbar. Orion ist ein typischer Winter-Sternbild und kann am besten in den Monaten Oktober bis Februar beobachtet werden.

Karte
Karte mithilfe von SkySafari 6 Pro und STScI Digitized Sky Survey erstellt [149, 160]

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