IAU Sternbildkarte
IAU NameAuriga
IAU GenitivAurigae
IAU KürzelAur
Deutscher NameFuhrmann
Englischer NameCharioteer
Saison (47°N)Sep … Apr
Rektaszension4h 37m 55s
7h 30m 57s
Deklination+27° 53' 29"
+56° 09' 54"
Fläche657°2
Nachbarn (N↻)Cam, Per, Tau, Gem, Lyn

Sternbild Auriga (Fuhrmann)

Auriga ist ein auffälliges Sternbild nördlich von Taurus und Gemini und hat in etwa die Form eines Pentagons. Diese Formation teilt sich mit Taurus einen Stern: Gamma Auriga ist gleichzeitig das nördliche Horn des Stieres und als beta Tauri, El Nath (das Horn), verzeichnet. In den meisten Atlanten findet man diesen Stern zu Taurus gehörend. Ein paar Grade südwestlich von Capella befindet sich ein kleines, spitzes Dreieck, dessen Spitze gen Norden zeigt. Diese Formation ist als Die Zicklein bekannt, welche der Fuhrmann auf seinen Armen trägt und wird durch epsilon, eta und theta Aurigae gebildet. [85]

Der Stern Capella bildet zusammen mit AldebaranTauri), RigelOrionis), SiriusCanis Maior), ProcyonCanis Minoris) und den beiden Zwillingssternen Castor und Pollux (α und β Geminorum) das Wintersechseck. Die Fläche des Sternbilds Auriga beträgt 657 Quadratgrad und etwa am 9. Dezember kulminiert das Zentrum um Mitternacht. [9, 15]

Sterne mit Eigennamen:

  • α Aurigae: Capella, Alhajoth
  • β Aurigae: Menkalinan, Menkalina
  • ε Aurigae: Al Anz, Almaaz
  • ζ Aurigae: Haedi, Haedus, Hoedus I
  • η Aurigae: Hoedus II
  • ι Aurigae: Hassaleh

Mythologie und Geschichte

Das Sternbild ist schon seit babylonischen Zeiten als Fuhrmann bekannt. Es überlagern sich zwei verschiedene Bilder, die an zwei verschiedene Begebenheiten erinnern: Es stellt einen Fuhrmann dar, der auf seinen Schultern eine Ziege samt jungen Ziegenböckchen trägt.

Die Ziege erinnert an die früheste Jugend Zeus': Am Beginn des frühesten Seins, als noch Chaos war, ein leerer Raum, der Ursprung aller Dinge, entstand die breitbrüstige Erde. Sie gebar Uranos, den Himmel, damit er sie umgebe und damit die Götter dort einmal einen festen Wohnsitz fänden. Sie vereinigte sich sogar mit Uranos selbst und gebar die Titanen. Uranos war nicht gerade ein liebevoller Vater, denn er hasste seine Kinder, verstiess sie in die Schluchten der Erde und freute sich noch daran. Einer der Titanen, Kronos, man nannte ihn auch den Krummgesonnenen, verging sich auf schreckliche Weise an seinem Vater mit einem gezahnten Sichelschwert. Uranos verlor seine Mannheit und Kronos erlangte die Herrschaft im Himmel. Eine solche Tat konnte nicht ungesühnt verbleiben und so wurde ihm durch eine Weissagung kund, dass sein eigener Sohn ihn bezwingen und der Herrschaft berauben werde. Kronos tötete in Besorgnis um seine Zukunft all seine neugeborenen Söhne und verschlang sie.

Die in Quellen und Gewässern wohnende Nymphe Amaltheia war auf dem kretischen Ida wohlbekannt. Sie konnte eines der Kinder heimlich fortschaffen und versteckte es vor seinem grausamen Vater in den Wäldern. Sie taufte das Kind auf den Namen Zeus. Amaltheia gehörte eine schöne Ziege, das Muttertier zweier Böckchen. Diese Ziege fiel auf unter den diktäischen Herden, denn sie hatte hohe, zum Rücken umgebogene Hörner und ein Euter, wie es die Amme Zeus' haben musste. Sie gab ihre Milch dem Gotte; dann aber brach sie an einem Baum ein Horn ab und war der Hälfte ihrer Zier beraubt. Die Nymphe nahm das Horn an sich, bekränzte es mit frischem Grün, füllte es mit Früchten und hob es vor das Antlitz Zeus'. Als dieser die Herrschaft des Himmels innehatte, auf dem Throne seines Vaters sass und nichts stärker war als der unbesiegte Zeus, da machte er seine Amme und das Füllhorn, das noch jetzt den Namen seiner Herrin trägt, zu Sternen. Die hell leuchtende Capella ist dieser Ziegenstern und darunter stehen zwei etwas kleinere Sterne, in denen man die Böckchen erkennt. [20]

Der Fuhrmann war nicht etwa ein Kutscher, sondern eher ein Zügelführer auf einem Rennwagen oder vielleicht auch einem Streitwagen, der ein Viergespann lenkte. Die einen sagen es sei Phaethon gemeint, der von seinem Vater, dem Sonnengott, den Sonnenwagen geliehen hat und in seinem jugendlichen Übermut beinahe die ganze Erde und auch den Himmel in Brand gesteckt hätte. Die Brandspuren sind heute noch als Band der Milchstrasse zu sehen und man erkennt, wie weit damals der Sonnenwagen von seiner Bahn abgekommen war. [20]

Neben Phaethon glaubt man im Fuhrmann auch noch einen anderen Wagenlenker zu sehen, nämlich Erichthonius, den ohne Mutter gezeugten Sohn des Hephaistos. Hephaistos war der Gott des Feuers und des kunstreichen Schmeidehandwerkes, war der hinkende Sohn des Zeus' und der Hera. Zu ihm kam einst Athene, die jungfräuliche Göttin des Krieges, der Wissenschaft und der Künste. Hephaistos entbrannte in Liebe zu ihr und versuchte die sich mit aller Kraft wehrende Athene zu vergewaltigen. Dabei floss sein Same auf die Erde und die jungfräuliche Athene trat mit schamhaften Zorn darauf herum. So empfing ihn die Göttin der Erde und gebar schliesslich den Knaben Erichthonius, den sie später der Athene übergab. Dieser Knabe hatte Schlangenfüsse. Athene zog das Kind gross, indem sie es in einer Truhe hielt, die von Schlangen bewacht wurde. Er wuchs zum Mann heran und wurde König. Erichthonius erfand einen Wagen, weil er sich schämte seine Füsse zu zeigen. Der Wagen war fast dem Sonnenwagen ähnlich, und Zeus war so von dieser Erfindung beeindruckt, dass er Erichthonius als Furmann und Wagenlenker an den Himmel versetzte. [20, 85]

Der römische, astronomische Poet Hyginus sah in diesem Stern des Fuhrmanns noch einmal eine andere Person: Myrtilus oder Myrtilos. Der König von Oinomaos von Pisa hatte mit seiner Gemahlin Sterope drei Söhne und eine Tochter, namens Hippodameia. Er besass ein berühmtes Gestüt und war ein unbesiegbarer Lenker von Pferderennwagen. König Oinomaos wurde durch ein Orakel gewarnt, dass sein Schwiegersohn ihn töten werde und so versuchte er Hippodameias Heirat zu verhindern. Jeder junge Mann, der sich um Hippodameia bemühte, musste mit ihrem Vater ein Wagenrennen bestehen. Sollte er jedoch vom König überholt werden, so mu;sste er durch den Speer des Königs sterben; so war es vereinbart. Zwölf Prinzen waren schon getötet worden und ihre abgehackten Köpfe zierten das Palasttor. Pelops, der Sohn des Lyderkönigs Tantalos, wollte gleichfalls um Hippodameia freien und erbat sich von Poseiden, dem griechischen Gott der Meere, den schnellsten Wagen der Welt, der auch über Meereswellen rasen konnte. Vor dem Palasttor angekommen und angesichts der grausigen Umrahmung der Einfahrt, hat ihn dann doch der Mut verlassen. Deshalb bediente er sich einer List: Er versprach Myrtilos - das war der Wagenlenker des Königs, der selbst in die schöne Hippodameia verliebt war - die Hälfte seines zukünftigen Königreiches und das Recht, die Hochzeitsnacht mit Hippodameia zu schlafen, wenn er nur auf irgendeine Weise den Rennwagen des Königs erfolgreich behindere. Myrtilos, von süssen Gedanken beflügelt, entfernte insgeheim die Splinten von den Achsen der Räder und ersetzte sie durch Nachbildungen aus Wachs. Was daraufhin geschah, kann man sich leicht denken: Der Rennwagen des Königs verlor in voller Fahrt die Räder und der König kam dabei ums Leben. Als Myrtilos sein Recht auf die Hochzeitsnacht einfordern wollte, stiess ihn Pelops ins Meer, wo er ertrank. Hermes, er war der Vater des Myrtilos, konnte dieses Verbrechen nicht rechtzeitig verhindern; er versetzte ihn deshalb unter die Sterne als das Sternbild des Wagenlenkers. [20]

Der ursprüngliche griechische Name dieses Sternbildes war Heniochos (Der, der die Zügel hält). Andere Bezeichnungn für dieses Sternbild waren Phaethon, Bellerophon, aber auch Custos caprarum, also der Ziegenhüter. Gemeint ist die Ziege, die Zeus einst als Amme diente. [20]

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